Freitag, 21. September 2012

Wie billig kann Bio sein?

Gestern habe ich nun endlich die Dokumentation "Wie billig kann Bio sein?" gesehen. Als sie ausgestrahlt wurde, habe ich sie verpasst und danach vergessen, dass ich sie noch schauen wollte. Dabei mache ich mir schon seit längerem Gedanken über dieses Thema. Zwar gibt es Bio-Produkte im Discounter wie z.B. Kekse, die ich bedenkenlos kaufe, außer jemand belehrt mich eines Besseren? Aber das ist nunmal nicht bei allem der Fall. Letztens stand ich beispielsweise bei Netto vor dem Regal mit den Eiern und starrte ungläubig auf die Preise, die Bio-Eier kosteten doch tatsächlich weniger als die aus Freilandhaltung!? Da fällt einem wirklich nicht mehr viel zu ein...
Normalweise sollte man nicht mit dem Fazit beginnen, aber meine ganze Aufregung hat sich zu zwei Ergebnissen formiert.
Erstens werde ich, wenn ich dann doch mal welche verwenden möchte, Eier nur noch auf dem Markt an Ständen kaufen, bei denen ich mir sicher bin, dass sie aus dem Umland sind und sie ihre Legehennen wirklich biologisch und artgerecht halten. Außerdem werde ich, auch wenn ich in Eile bin, lieber weiterhin meine Kartoffeln auf dem Markt kaufen, als ägyptische aus dem Discounter mitzunehmen. Vor einigen Monaten hatte ich es eilig und habe notgedrungen ägyptische Kartoffeln bei Netto gekauft, obwohl mir das total irrsinnig erschien und ich mich ziemlich aufgeregt habe, dass es einfach nicht mal eine deutsche Alternative gab und keine Zeit mehr hatte das Geschäft zu wechseln. Daher war dieser Teil der Doku für mich sehr passend.
Und zweitens ist mir malwieder bewusst geworden, dass es dringend notwendig ist das Öko-Siegel zu erweitern oder weitere Kennzeichnungen einzuführen. Natürlich ist es mir wichtig, dass mein Obst und Gemüse biologisch angebaut wird, aber mindestens genauso wichtig ist für mich die Nachhaltigkeit. Im Bezug auf die Doku heißt das, dass beim Kartoffelanbau kein kostbares Wasser verschwendet wird. Daher sollte es unbedingt eine entsprechende Angabe vor allem für Wasserverbrauch und CO2-Ausstoß auf Lebensmittelverpackungen geben. Natürlich wäre dies nicht nötig, wenn ausschließlich von regionalen Anbietern gekauft wird, aber da ich für meinen Teil mich nicht nur von Obst und Gemüse ernähre, sind mir detailliertere Kennzeichnungen wichtig.
Ein wichtiger Teil der Doku ist außerdem natürlich auch die katastrophale Bio-Großschweinehaltung, allerdings bin ich (als Vegetarier) der Meinung, dass das mittlerweile für Nicht-Vegetarier (zum Glück! aber noch nicht genug!) überall gepredigte "nur einmal pro Woche Bio-Fleisch essen" auf jeden Fall eine sehr gute Richtlinie ist und man das Fleisch dann auch z.B. am Wochenende auf dem Markt erstehen kann.
Schon lange ist bekannt, dass immer wieder große Mengen Lebensmittel aus teilweise irrwitzigen Gründen einfach vernichtet werden (müssen?). So schnell wird sich das wahrscheinlich genau wie die meisten anderen Probleme nicht ändern, aber ich frage mich, inwiefern es möglich wäre in Zukunft kleinere Betriebe zu bewirtschaften. Dieses Thema tauchte auch schon häufiger in Dokumentationen und Diskussionen auf, aber ich bin mir nicht sicher, ob ich da mit meinem Wunschdenken nicht in einer Traumwelt lebe. Inwiefern ist es überhaupt möglich die Betriebe zu verkleinern? Selbst wenn irgendwann ein Großteil der Bevölkerung seine Lebensmittel bei regionalen Anbietern kauft, werden wir doch trotzdem niemals alle auf Luxusartikel aus dem Supermarkt verzichten, für die nur größere Betriebe rentabel sind?
Ich bin sehr gespannt und werde mich bis dahin weiter in meiner Traumwelt bewegen, in der es irgendwann endlich möglich sein wird nur noch kleine (artgerechte) Betriebe zu bewirtschaften und bewusst Wasserverbrauch und CO2-Ausstoß pro Kopf niedrig zu halten.

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